Der gefleckte Büschelbarsch - Cirrluitichthys oxycephalus

 

Die Familie der Büschelbarsche oder Korallenwächter, Cirrhitae, die sich in derzeit 34 Arten aus 9 Gattungen gliedert, gehört zur Unterordnung Percoidei, Barschverwandte, aus der Ordnung Perciformes, Barschartige.

Bis auf die Art Amblycirrhitus earnshawi, die bei Ascension im Atlantik vorkommt, leben alle Cirrhitae im Indopazifik sowie in der Karibik und in den Küstengewässern Westafrikas. Im Roten Meer konnten bis jetzt vier Arten aus vier Gattungen festgestellt werden und zwar: Oxycirrhites typus BLEEKER, 1857, Cirrhitus pinnulatus (BLOCH & SCHNEIDER, 1801), Paracirrhites forsteri (BLOCH & SCHNEIDER, 1801) sowie Cirrhitichthys oxycephalus (BLEEKER, 1855). 
Der Gefleckte-Büschelbarsch, Cirrhitichthys oxycephalus (BLEEKER, 1855) - der Gattungsname kommt von Cirrhites = 'der Fransige' und von cirr(h)is = 'befädet, fransig'; der Artname bedeutet 'mit spitzem Kopf' - wird 8,5 cm lang. Der gestreckte und relativ hohe Körper - mit 41 bis 45 Schuppen in der mittleren Längsreihe - hat eine weißliche bis bleich gelbliche Grundfärbung. Längliche, dunkelbraune Flecken mit roten Rändern durchziehen den Körper vom Bauch bis hinein in die Dorsale und Caudale. Während die Flecken dorsal sehr ausgedehnt sind, nimmt ihre Größe ventral ab. Zwischen den großen Flecken befinden sich kleinere rote Tupfen. Die dunkelbraunen bis roten Flecken am Kopf sind in diagonalen Reihen angeordnet. Cirrhitichthys oxycephalus variiert je nach Verbreitung etwas in der Farbe und Zeichnung. Die ungeteilte Rückenflosse besteht aus 10 Hart- und 12 Weichstrahlen, wobei der Übergang vom Hartstrahlen- zum Weichstrahlenteil deutlich eingesenkt ist. Die sechs unteren Strahlen der transparenten Brustflossen sind gattungstypisch verdickt und verlängert, aber nicht durch Membranen verbunden. Diesen Teil der Brustflossen benützen die Fische zum Abstützen und Festklammern auf dem Substrat. Die Afterflosse (Anale) besteht in der Regel aus drei Hart- und sechs oder sieben (gewöhnlich sechs) Weichstrahlen. Gattungstypisch sind auch die am Nasenrand und am Hinterrand der harten Rückenflossenstrahlen sitzenden Büschel aus feinen, pinselartigen Borsten, die so genannte Cirren, auf die auch ihr Trivialname 'Büschelbarsche' Bezug nimmt. 
Das Verbreitungsgebiet dieses kleinen Räubers reicht vom Roten Meer über die ostafrikanische Küste im Westen bis nach Panama im Osten. Gefleckte-Büschelbarsche sitzen stets gut getarnt und reglos an einem erhöhten Korallenast - abgestützt auf ihre Brustflossen - von dem aus sie die nähere Umgebung ihres Reviers mit hin- und herrollenden Augen gut beobachten können, so als wären sie als 'Wachposten' eingesetzt. Von diesem Verhalten leitet sich auch ihr weiterer Populärname 'Korallenwächter' ab. Kommt man ihnen zu nahe, ziehen sie sich ins Korallengeäst zurück oder wechseln zum nächsten Ausgucksplatz, ohne dabei jedoch ihr Revier zu verlassen. 
Cirrhitichthys oxycephalus sind in erster Linie Bewohner des Benthos und halten sich vor allem in Korallenriffen in Tiefen von 1 bis 40 m auf. Da sie ihre Schwimmblase zurückgebildet haben, sind sie keine ausdauernden Schwimmer, und man sieht sie für gewöhnlich auch nicht im freien Wasser. Sie verlassen ihren Aussichtspunkt nur um zu fliehen, Rivalen zu attackieren oder um neue Nahrungsgründe aufzusuchen und bewegen sich dabei mit einem flossen¬getriebenen, kurzen Vorwärtsschnellen geschickt von einem Korallenstock zum anderen. Diese zickzackförmigen Schwimmbewegungen werden durch kurze Ruhepausen unterbrochen. Ihrer Nahrung, die vor allem aus verschiedenen kleinen krebsartigen und vorbeitreibenden Fischlarven besteht, lauern sie auf ihrem Aussichtsplatz auf. Kommt ein potentielles Opfer an ihrem Ansitz vorbei, stürzen sie sich blitzschnell darauf, um es zu ergreifen und zu verzehren. 

Aquarienhaltung: 

Grundvoraussetzung für die optimale Aquarienhaltung ist die richtige Fütterung und Ernährung. Büschelbarsche fressen auch im Aquarium gerne Lebendfutter wie Garnelen und andere Kleinkrebse. Nehmen aber alsbald auch Ersatznahrung wie: Mückenlarven, Grindal, Enchydräen sowie Trockenfutter-Tabletten und Frostfutter. In jedem Fall müssen wir ihnen eine möglichst abwechslungsreiche und vielseitige Futterpalette anbieten, um einer allzu einseitigen und damit mangelhaften Ernährung vorzubeugen. Eine gelegentliche Vitaminzugabe stärkt die Widerstandskraft der Fische gegen Krankheiten. Aber nicht nur auf die Futterauswahl, sondern auch auf die Form der Verabreichung und der Dosierung kommt es bei der richtigen Fütterung der Gefleckten-Büschelbarsche an, da sie in dicht besetzten, kleineren Becken bald unter Futterkonkurrenz leiden würden, wenn man sie nicht gezielt mit ausreichend Nahrung versorgt. Büschelbarsche, die praktisch den ganzen Tag nach Futter suchen, müssen daher mehrmals am Tag mit geringen Mengen gefüttert werden. Leichter Hunger ist allerdings ein biologischer Normalzustand, da Futter im natürlichen Biotop knapp ist. Die meisten Fische in unseren Aquarien sterben an Verfettung von Leber und Nieren. Die Überfütterung ist der aquaristische Hauptfehler, weil dadurch gleichzeitig Fische und Wasser geschädigt werden. 
Die Wasserqualität des Aquariums mit Gefleckten-Büschelbarschen muss sich nach den Ansprüchen des empfindlichsten Beckenbewohners richten. Die Wassertemperatur sollte, gemäß der Heimat dieser tropischen Fische, am besten zwischen 24° und 26° C liegen. Als Dichte empfiehlt sich 1,022 - 1,023 g/ml bei einem pH-Wert von 8,3 - 8,4. Bei einem regelmäßigen wöchentlichen Wasserwechsel, wobei je nach Besatz zwischen 10 - 15% des Wasservolumens gewechselt werden, begegnet man auch wirksam der Spurenelementenauszehrung durch den Eiweißabschäumer. Zum Imitieren der Gezeiten können an den Stirnseiten des Aquariums sich gegenüberliegende Strömungspumpen angebracht werden. Diese Pumpen werden mit Hilfe von Schaltuhren in sechsstündigen Intervallen wechselseitig gesteuert und sorgen für eine starke Wasserbewegung bzw. für die Vermischung unterschiedlich warmer Wasserschichten. Wichtig ist auch, dass die Aquarienabdeckung dicht sitzt, da Gefleckte-Büschelbarsche sonst aus dem Aquarium springen können. 
Licht ist ein Informationsträger endogener Rhythmen und für die meisten Lebewesen bedeutungsvoll und wirkt hauptsächlich über die Beleuchtungsdauer. Entsprechend der Heimat der Büschelbarsche und ihrer Mitbewohner sollte das berücksichtigt werden. Der Beleuchtungszeitraum sollte täglich etwa 11 Stunden dauern. Zusätzlich empfiehlt sich eine je einstündige Vor- und Nachbeleuchtungsphase mit Blaulichtröhren. 
Die Filteranlage muss in ihrer Kapazität den zu erwartenden Belastungen gewachsen sein, wobei das Volumen des Aquariums und der angestrebte Besatz die Ausgangsgrößen der Beurteilung bilden. Vom System her ist eine Kombination aus biologischen und mechanisch-physikalischen Filtern empfehlenswert, wobei die Rückführung des belasteten Aquarienwassers in den filtertechnischen Bereich über den Weg der Oberflächenabziehung erfolgen sollte. Zentrale Bedeutung kommt auch dem Eiweißabschäumer zu, der die große Wasserbelastung, die durch das Füttern entsteht, schnell wieder entfernt. 
Die Inneneinrichtung des Meerwasseraquariums sollte nicht nur dem Betrachter gefallen, sondern bietet wichtige biologische Voraussetzungen für ein optimales Aquarienmilieu. Büschelbarsche brauchen unbedingt einen Korallenblock oder zerklüftete Steine als ständigen Ansitz sowie ausreichend Versteckmöglichkeiten. Einbauen kann man alles in die Rückwand, die mit Hilfe so genannter 'lebender' Steine aus dem Meer, Korallenskeletten und aus totem Gestein errichtet werden kann. Wenn keine ausgesprochenen Bodentiere gepflegt werden, sollte der Bodengrund möglichst dünn gehalten werden. Als Substrat hat sich ein Gemisch aus Korallensand und fein zerriebenen Muschelschalen mit einer Korngröße von 2 bis 3 mm bewährt. Für die Bepflanzung eignen sich vor allem verschiedene Kriechspross- oder Blattpflanzenalgen aus der Gattung Caulerpa. 
Gefleckte-Büschelbarsche sind gegenüber anderen Beckenbewohnern - mit Ausnahme von kleinen Krebsartigen, die sie als Beute ansehen - recht friedlich. Allerdings vergreifen sie sich manchmal an kleineren Fischen. Im Aquarium kann man sie auch paarweise pflegen und mit nicht zu kleinen Fischen und Wirbellosen vergesellschaften. Beim Einkauf ist darauf zu achten, dass die Tiere gut genährt sind. Hungertiere mit eingefallenen Flanken und zu große Fische schaffen die Umstellung in ein neues Milieu unter Umständen nicht. Außerdem dürfen die Fische keinerlei Verletzungen aufweisen, denn selbst eine geringfügige Beschädigung des Schuppenkleides kann zu Entzündungen neigen und führt in Gefangenschaft meistens recht schnell zum Tode des Fisches. Gefleckte-Büschelbarsche werden in kürzester Zeit handzahm und nehmen die angebotene Nahrung bereitwillig von einer Pinzette oder aus der Hand des Pflegers an. 

Hans Esterbauer, 26.02.2004